... nur 12 Stunden!

 

Vergangenen November, als ich anfing nach einem passenden Weihnachtsgeschenk für meinen Mann zu suchen, war natürlich klar, dass nur eine Art Geschenk für ihn in Frage käme: es müsse etwas für die Jagd sein, über die Jagd sein oder irgendwie mit der Jagd zu tun haben. Was Anderes käme einfach nicht in Frage.

 

Schnell war das ideale Geschenk gefunden: Ein Pirschseminar bei Max Götzfried mit dem Titel „Schwarze Sommernächte“. Flott gebucht für das erste Juli-Wochenende, Weihnachtsgeschenk = check! Die Sache hatte nur einen Haken... es dauerte noch geschlagene acht Monate. Meine Vorfreude war riesig. Zum Einen, weil ich ja nun das beste Geschenk überhaupt hatte, und zum Zweiten, weil ich natürlich auch für mich selbst einen Platz gebucht hatte.

 

Das Weihnachtsgeschenk kam richtig gut an, die Freude war riesengroß! Denn mein Mann liebt die Pirsch und alles was damit zu tun hat. Also alles richtig gemacht. Nun waren es aber immer noch sieben Monate bis dahin... ich spule mal vor.

 

Der Tag der Tage rückte näher. Der Sommer war nun auch endlich bei uns angekommen und das Thermometer kletterte zwei Wochen lang in sommerliche Sphären. Es waren die längsten Tage und klarsten Nächte des gesamten Jahres. Im Netz konnte man von den Seminartagen, die vor unserem stattfanden, die ersten Berichte lesen. Diese schürten die Vorfreude noch mehr.

 

In der Woche, in dem unser Seminar stattfinden sollte, überlegte sich das Wetter auf einmal, es müsse nun, da es viel zu lange zu trocken war, die Wälder und Felder mal wieder mit frischem Nass erfreuen und der Himmel öffnete seine Schleusen. Und es regnete und regnete und regnete... Im ersten Moment ein bißchen schade, aber ich denke kaum eine andere Spezies auf dieser Welt ist wetterflexibler als der Jäger an und für sich. Von daher tat das der Freude darüber, dass der Tag nun endlich gekommen war, keinerlei Abbruch. Und so konnte das Abenteuer Pirschjagd auf Schwarzwild losgehen.

Hochmotiviert ging es für uns und unsere Bande auf die nicht ganz so weite Reise nach Darmstadt. Ein Stau kurz vor dem Ziel verhinderte leider unsere Pünktlichkeit. Und so waren wir mit einer Stunde Verspätung die Letzten, die in der Runde ankamen. Peinlich... naja aber nicht zu ändern.

 

Es war ein sehr sehr herzlicher Empfang von Max und Alena und man hatte das Gefühl, man hätte ein jagdhausliches Schlaraffenland betreten. Ringsherum stapelten sich spannende Ausrüstungsgegenstände. Trophäen an der Wand machten direkt neugierig auf die Geschichte dazu. Auf dem Tisch stand alles was das Herz zum Naschen begehrt. Kuchen, Schokolade, Weingummi, Chips, Kaffee, Tee, Limonade und noch vieles mehr. Und als I-Tüpfelchen saßen dort lauter wissbegierige Gleichgesinnte.

 

Da saßen wir nun alle... neugierig, ein bißchen aufgeregt (auch wenn es nicht jeder zugeben würde ;) ) mit viel Bock auf das was der Tag und die Nacht so bringen sollten. Es ging los mit einer entspannten und lustigen Vorstellungsrunde. Schließlich ist es ja auch schön zu wissen, mit wem man sich später auf Socken lautlos durch die Felder schlägt.

 

Danach begann das Seminar mit dem theoretischen Teil mit jedermenge Infos und Tips zu grundsetzlich Wichtigem, zu Strategien und zu passender und nützlicher Ausrüstung. Viele Fragen wurden erörtert. Wie sind die Reviergegebenheiten, was wird angebaut, worin sind die Sauen besonders gerne und warum? Wo sind sie nicht gerne, wie verhalten sie sich generell im Laufe der Nacht, wie sehen die Schäden aus, die sie anrichten und wie erkennt man sie bzw. was kann ich daraus über ihr Verhalten ablesen. Welche Taktiken wendet man wann, wo und wie am besten an um erfolgreich Beute zu machen.

 

Dann ging es los mit dem ersten Praxisteil. Im Revier zeigte uns Max an verschiedenen Orten wie die Schäden durch Schwarzwild aussehen können und woran man festmachen kann, dass diese Schäden tatsächlich von Schwarzwild verursacht wurden. Der Regen machte währenddessen keine Pause, aber witzigerweise haben wir es gar nicht so sehr wahrgenommen, da es „da draussen“ weitaus interessanteres gab.

 

Zurück am Jagdhaus gab es leckere Wildschweinwürstchen vom Grill, die Alena für uns zubereitete. Sie schmeckten fantastisch und waren genau das Richtige. Kugelrund und pappesatt wurden wir dann alle von einer leichten Trägheit übermannt. Aber die Vorfreude auf den noch fehlenden Seminarteil hielt uns wach. Um Null Uhr hieß es Abmarsch... also eher Abfahrt. Und nun ging es mit dem Auto und einem Anhänger voll von hochmotivierten Teilnehmern los zum ersten Feld. Stellt euch vor, pünktlich zum Abmarsch hörte es auf zu regnen!

 

Am ersten Punkt angekommen bewegten wir uns zum ersten Feld so leise wie nur eben möglich. Und siehe da, dort standen tatsächlich schon Sauen. Die ersten Blicke durch Nachtsichtgeräte und Wärmebildkameras liessen keine Zweifel zu. Ich war fasziniert von meinem ersten Blick durch eine Wärembildkamera, denn ich konnte ganz genau zwei etwa gleichstarke Bachen und drei quietschfidele, Bockspringen übende Frösche ...ähm Frischlinge erkennen, bevor sie wieder in den Wald einwechselten. Erstes Feld, erster Kontakt, genial!

 

Die nächste Pirsch war an einer traumhaften Stelle. Sie ging über eine Wiese, über einen Bach, durch einen Maisstreifen zu einem angrenzenden Weizenfeld. Zwar waren dort ein paar Sauen drin, aber auch diese befanden sich auf dem Weg zurück in den Wald. Dort wollten wir es dann später noch einmal versuchen.

 

Zum ersten nahen Kontakt kam es in einem dichten Buchenwald (wenn ich das in der Dunkelheit richtig erkannt habe. Denn glaubt mir, durch die Wolken und den dichten Wald war es dort finster wie im Kohlenkeller) Wir wollten durch den Wald ein Feld umschlagen und versuchten uns dabei so leise es geht vorwärts zu bewegen. Dabei mussten wir uns echt extrem auf jeden einzelnen Schritt konzentrieren, denn der Grad zwischen Elfe und Elefant ist sehr schmal.

 

Wie aus dem Nichts standen plötzlich drei Überläufer auf ca.10 m vor unserer Gruppe. Die Drei waren etwas verwirrt und trollten sich dann nach rechts weg. Herrlich diese jugendliche Verwirrtheit, denn wirklich geschnallt, dass da nun gerade 14 Menschen vor ihnen stehen haben sie nicht. Sehr schön und ein toller Kontakt zu den Borstenträgern.

 

So gingen wir, immer den Wind im Blick ,viele Felder an. Wir sahen mal näher mal weiter entfernt Sauen, Rehwild, einige Hasen, Füchse, ein Wiesel. Es machte einfach richtig viel Spaß.

Zum Schluss pirschten wir nochmal zu dem Feld mit dem angrenzenden Maisstreifen. Zu unserer Freude waren die Schweine wieder zurückgekommen und hatten sich dort eingerichtet. Wir umschlugen das Feld um es von unten anzugehen. Und ab ging es in die Traktorspuren und leise pirschten wir voran. Wir kamen relativ weit, als die kleine Rotte innerhalb des Feldes ihren Standort wechselte. In der Befehlskette hieß es dann „Schuhe aus, Hose aus, Sachen liegen lassen. Weiter in langer Unterhose und Socken. Rückmarsch und Traktorspur wechseln.“

Gesagt, getan. Wir wechselten die Spur und je näher wir den Sauen kamen, desto langsamer wurden wir und desto öfter verharrten wir in einer Position. Manchmal bewegten wir uns minutenlang nicht bis es dann in kleinen Schritten weiter ging. Irgendwann waren wir keine 15m von den Schweinen entfernt und es war mucksmäuschenstill. Es war ein absolut irres, irreales und geniales Bild:

 

14 Mann dicht beisammen auf zwei Fahrspuren verteilt so nah an den Schweinen, und man hörte ausser deren Schmatzen nichts... rein GAR NICHTS. Selbst der Wind schien den Atem anzuhalten. Das Einzige was ich zusätzlich zu dem Schmatzen der Schweine hörte, war mein eigener Pulsschlag... ziemlich laut... zwischendurch hatte ich fast Sorge, dass wir deshalb alle auffliegen.

 

Es war einfach unfassbar spannend. Bei der kleinen Rotte handelte es sich um drei etwa gleichstarke Bachen und einen noch sehr kleinen Frischling. Es war einfach nicht auszumachen, welches der Stücke denn nun das Führende war. Deshalb war ein Schuss von Max auf eines der drei Stücke selbstverständlich ausgeschlossen. Nach einer Weile zog die Rotte weiter und wechselte auf eine angrenzende Wiese. Tief durchatmend und total zufrieden traten wir Nachts um Vier Uhr den Rückzug an. Nun hiess es Klamotten irgendwo im Feld wieder einsammeln und Rückfahrt zum Jagdhaus. Da wurde sich abgetrocknet, umgezogen, gequatscht, gelacht, gefreut und gegähnt.

 

Mensch, was für eine Nacht!! Um halb 5 haben wir uns auf den Heimweg gemacht. Als wir losfuhren wurde es schon hell. Und je heller es wurde, desto unwirklicher war es für uns, dass wir keine Stunde zuvor noch auf Socken auf Tuchfühlung mit den Borstenträgern waren. Mehr davon!!

 

Warum der Titel dieses Artikels „...nur 12 Stunden!“ heißt? Ganz einfach: Weil es ein unfassbar spannendes Seminar war, auf das wir monatelang hingefiebert und gewartet haben, und bei dem wir unmengen gelernt und viel Spaß gehabt haben. Und nach genau 12 Stunden von der Ankunft bis zur Abfahrt war alles schon wieder vorbei. Wir würden es immer wieder tun und es war uns ein wahrhaftes Vergnügen.

Vielen lieben Dank und Waidmannsheil!

 

 

www.maxgoetzfried.de

 

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